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Todsünden der Beteiligung

Beteiligungsprozesse verlaufen nicht immer geradlinig und nach Plan. Grundsätzlich gilt es gröberer Fehler von vorneherein zu vermeiden. Dazu zählen unter anderem die sog. „Todsünden der Beteiligung“, bei denen es sich vor allem um die eigene innere Haltung in Partizipationsprozessen handelt. Es gilt sich der „Todsünden“ bewusst zu sein und achtsam damit umzugehen.

Passivität

Erwachsene erwarten, dass die Jugendlichen zu ihnen kommen. Wenn sie sich nicht melden, ist das ein deutliches Zeichen von Desinteresse. Meint man. Stimmt aber nicht. Zeitungen, Schaukästen, Gemeinden-Webseiten und Briefe sind nicht die bevorzugten Informationswege Jugendlicher. Das Gespräch von Person zu Person ist am besten geeignet, um junge Menschen zu motivieren an Beteiligungsprozessen teilzunehmen.

Planlosigkeit

Erwachsene stellen Jugendlichen ihre Beteiligungsabsicht vor, haben aber die Voraussetzungen ihres Projekts nicht geklärt. Die Jugendlichen verstehen nicht genau, was die Erwachsenen von ihnen wollen. Was passiert mit ihren Vorschlägen, wie soll das Projekt weiter gehen, wie ist es abgesichert, wann erfahren sie wieder etwas, … Zunächst müssen die drei großen R geklärt sein: Räume, Rechte und Ressourcen. Die Erwachsenen müssen erstmal Klarheit zum Beteiligungsprojekt herstellen. Für sich selbst und für andere.

Politikchinesisch

„Ich bestätige den Antrag Nr. 47, verweise die Ergebnisse der Kommission an den Ausschuss, teile Satz 1 des Antrags aus dem anderen politischen Lager, verweise mit aller Entschiedenheit auf den LAP, VEP, CA, das Beiräte-Gesetz und die PEP-Quote“. Manche Erwachsenen wundern sich, dass Jugendliche keine Lust haben, an Sitzungen, Treffen und Aussprachen teilzunehmen. Unverständliche Abkürzungen, politische Redeschlachten und inhaltslose Marathon-Reden werden von Jugendlichen abgelehnt. Übrigens auch von vielen Erwachsenen.

Herablassung

Jugendliche von oben her behandeln, ihnen keine Kompetenz zutrauen, sie übergehen, ihnen gegenüber möglichst noch absurde Unterstellungen äußern, führt zur sofortigen Ablehnung in Beziehungen. Wer Jugendliche zur Mitbestimmung einlädt, muss sie auch respektvoll behandeln. Es lohnt! Sie bringen ihre Expert/innen-Sicht zu eigenen Angelegenheiten mit. Die Erfahrungen mit den Entscheidungen von Kindern und Jugendlichen aus Beteiligungsprojekten sind auch eher, dass diese sich verantwortungsbewusst, umsichtig und sparsam entscheiden.

Inkonsequenz

Ein eigenes Budget zusagen, das dann nicht verfügbar ist. Entscheidungskompetenz zugestehen, dann aber Erwachsene entscheiden lassen und auf beratende Funktion verweisen. Also doch keine Entscheidungskompetenz. Zu viel versprechen, die Zusagen aber nicht einhalten: so verscheucht man Jugendliche und hinterlässt verbrannte Erde. Man bestätigt ihre Vorurteile. Wenn etwas schief geht, muss es zumindest erklärt und eingestanden werden.

Intransparenz

Keine Klarheit über den Prozess herstellen, wer entscheidet, was, wann, mit wem… Was ist mit meinem Vorschlag passiert, wird der noch verwirklicht? Ist der nun doch abgehakt? Warum denn das schon wieder. Manche Dinge sind komplizierter und dauern länger als uns lieb ist. Ein Projekt, über dessen Fortgang nicht in jugendgerechter Art und Weise berichtet wird erfüllt ein wichtiges Kriterium nicht: das Kriterium der Transparenz. Von Zeit zu Zeit sind außerdem persönliche Rückmeldungen wichtig.

Abwarten

Projekte beginnen und dann Jahre ins Land gehen lassen, das Vorhaben auf die lange Bank schieben, hinterlässt bei Kindern und Jugendlichen ebenfalls den Eindruck, das Projekt sei gescheitert. Zeit hat für Jugendliche, vor allem aber für Kinder eine andere Dimension.

Interesse vorheucheln

Interesse für Kinder und Jugendliche vorzuheucheln und in Wirklichkeit kein offenes Ohr für sie und ihre Anliegen zu haben, kann man sich schenken. Man sollte es bleiben lassen, denn Kinder und Jugendliche merken es sehr schnell. Erwachsene werden dabei unglaubwürdig.

 

Text in Anlehnung und mit freundlicher Genehmigung von Heike Blanck, JubiS Bremen www.jubis-bremen.de